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TSV Oberreitnau 1921 e.V.

Vereinschronik

Rückblick auf 75 Jahre Vereinsgeschehen

Anlässlich des 75. Jubiläums des TSV Oberreitnau wurde eine Vereinschronik zusammengestellt, der die Geschichte  des Vereins bis dato beschrieb. Diese Chronik finden Sie auf den folgenden Seiten. Unser Dank geht an Herrn Ludwig Härle, damals 2. Vorsitzender des Vereins, der über ein Jahr damit verbrachte, das Material für die Chronik zu sammeln.


Bericht eines 96-jährigen über die Gründungszeit des Turnverein Oberreitnau 1921

In unserer Jugendzeit vor dem I. Weltkrieg gab es in Oberreitnau keinen Schulsport, in 7 Jahren nur einen ½ halben Tagesausflug.

Ab 1912 brachten Realschüler Deutschball von Lindau nach Oberreitnau. 1913 brachte Peter Kathan von St. Gallen die Fußball-Idee mit, worauf wir Sonntagsschüler den 1. Fußballclub gründeten. Sonntags nach der Christenlehre traf man sich am 15 Uhr bis zum Stallgehen auf irgendeiner freien Wiese oder unter dem Feuerwehrhaus, bei den Brüdern Strodel zum Fußball. Das Tor bestand damals nur aus 2 senkrechten Stangen.

Im Deutschball-Verein betrug der Beitrag im Monat 5 Pfennig, im Fußballverein 30 Pfennig. Der erste Ball blieb schon am ersten Tag an einem Gartenzaun hängen. Zeugwart Konrad Mayer musste Ihn flicken.

1915 verbot Bürgermeister Buschor beim Ernst der Kriegslage das Fußballspiel. Er dachte wohl nicht an die Körperertüchtigung  für das Militär. Es wurde dann 1916 die Jugendwehr als Pflicht eingeführt.

Führer: Reischmann Theo,   Beihilfe:  Zerle Jakob, Leuthold Wilhelm Rengersweiler Leutholds Spruch   „Druck dine Knia dur !„

1920 hatte Ambs Tone Interesse am Geräteturnen in Wasserburg gefunden und begeisterte uns Jugendliche, die sonst am Sonntagmittag in den vier Wirtshäusern ihre Sprüche klopften. Ambs Tone konnte als Erster den Riesenschwung (Felge). Ich selber hatte den Wunsch zu turnen und besuchte allein die großen Turnfeste in Bregenz und Lustenau, wo auch die Schweizer teilnahmen. Steudel Kottern machte einarmigen Handstand am Barren.

1921 wurde der Wunsch nach einem Turnverein in die Tat umgesetzt. Ambs Anton, Ambs Theo, Barth Ludwig, 3 Strodel, Gutensohn Hans, Bernhard Emil, Strodel Franz-Xaver, Iberl Georg (1995 in München verstorben), der jugendliche Ambs August und Burtscher Ludwig und Josef gründeten den Turnverein.

Xaver Klauber wurde bei der Gründerversammlung beim Vögel 1. Vorstand, Emil Bernhard 1. Turnwart, Weh Sepp Schriftführer, Kassier : Ich  und Iberl Georg Zeugwart.

Die Gemeinde gab Kredit für Turngeräte: Reck, Barren und Hochsprunggestell. Turnhalle war das ehemalige Stickereigebäude, jetzt Hepachstr. 30 bei Frey. Betonboden - Schlimm war’s! Wir hatten keinen Vorturner, nur Bücher zum Anschauen, ähnlich wie das Kochbuch beim Kochenlernen. Von Reutin kam hin und wieder ein Vorturner. Trotzdem dachte man bald an eine Vereinsfahne. Meer Fritz und Xaver Klauber bemühten sich um Spender. Die Fahne wurde soweit erinnerlich im Kloster Bonlanden gestickt. Die Fahnenweihe unter Dekan Herzog mit Anteilnahme der Gemeinde und der Fahnenjungfrauen war sehr feierlich. Der TV Wasserburg war Patenverein. Elsäßer Luise spendete als Festzugfrau ein Fahnenband.

Unterm Spritzenhaus wurde das 1. Turnfest mit Freiübungen abgehalten. Gutensohn Hans und ich waren dabei Vorturner auf einem Brückenwagen, dann zeigten uns die Wasserburger Turnübungen an Reck und Barren.

Strodel Franz-Xaver war der 1. Fähnrich, er war auch ein guter Stemmer. Später machte ich auch mitWeh Sepp und Ambs Theo die Fahnenweihe in Haldenwang mit, ebenso mit Ambs Theo, Reischmann Theo das Gauturnfest in Kaufbeuren mit Übernachtung: aber keine Preise!

Beim Gauabteilungsturnen  im Herbst 1925 holten Buhl Sepp und ich einen 25. Platz mit Urkunde.  Unser Verein hatte keinen Schleuderball, so dass wir erst am Platz in Heimenkirch üben mussten. Beim ersten Wurf landete der Ball unter Gelächter hinter mir, bei 2,25 Meter.

Unsere Zöglinge, der Lerchenmüller Flori, der Burtscher Josef, und der Ludwig Heckner waren immer erfolgreich beim Jugendturnen.

1924 machten wir im Turnverein Theater mit Stabübungen, 1925 wieder Theater mit Sketchen.

1925 trat bereits der 1. Vorstand Xaver Klauber zurück. Nachfolger wurde dann vorübergehend August Ambs sen., der in der Fremde schon Turner war und noch Kippe konnte.

Am 22. März 1926 wurde ich dann nach Willpoldsried versetzt.

gez. Anton Wenzerl, Gründungsmitglied

(original Bericht v. 06.01.1996)